Die Presse

Isabella Wallnöfer / 12.07.2004

Halali zur Angsthasenjagd

Frans Poelstra als Zauberer der Fröhlichkeit im Freud-Museum

"I meditate – I masturbate – ain't it great – to bealive?" Frans Poelstra zog die knarrende Althaus-Atmosphäre des kleinen Sigmund-Freud-Museums für sein selbstironisches Solo den üblichen Aufführungsstätten vor. Dort blies er, nachdem er die Weitsichtbrille vorsichtig am hölzernen Stehpult abgelegt und noch einen kontrollierenden Blick auf sein Handy geworfen hatte, zum fröhlichen Halali auf einen Angsthasen. Der heißt Frans, ist in zwischen blöderweise schon 50, war einst ein vielversprechender junger Choreograf – "jetzt nur mehr vielversprechend"- und fragt: "Wäre es nicht besser, ein guter Künstler zu sein?" Falsche Frage! Wie sich Poelstra da öffentlich demSelbstzweifel zum Fraß vorwirft, ist gute Kunst. Das ist originell, speziell, erfrischend. Und es ist in seiner Absurdität ergreifend. "Wie weit kannst dugehen, deine Gedanken mit dem Publikum teilen,besonders wenn du Zweifel hast, überhaupt
künstlerische Arbeit zu machen", fragt Poelstra im Programmheft. Er teilt gnadenlos. Die Tränen, die ersich mit seinen getragenen Socken aus den Augenwischt; die Alters-Konfusion, die ihn in seinen Gitarrengurt verwickelt; die körperliche Unzulänglichkeit, die aus seinen Gelenken kracht, dasses einem die Gänsehaut aufzieht.

Teilhaben am zweifelnden Gesamtkunstwerk Poelstra kann man noch einmal am 6. und 8. August im Schauspielhausbei "Frans Poelstra, his dramaturg and Bach".